Erfahrungen in der Ausbilderlounge

8 Jahre FRC Personalservice
15. Dezember 2025

Seit einigen Jahren führt die IHK Akademie Koblenz die Ausbilderlounge durch. Seit diesem Jahr werden die Schulungen für Ausbilderinnen, Ausbilder und Prüfer jedoch vom „Gastronomischen Bildungszentrum Koblenz e.V.“ organisiert. Mit dieser Veranstaltungsreihe greifen Ausbildungsverantwortliche aus der Region Koblenz aktuelle Trends und Herausforderungen rund um Ausbildungsmarketing und den Ausbildungsalltag auf. In den vergangenen Jahren standen Themen wie die betriebliche Umsetzung von Neuordnungen oder die neue Ausbildungsphilosophie der Lernprozessbegleitung im Fokus.

In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf dem Beleuchten rechtlicher und organisatorischer Aspekte der betrieblichen Ausbildung. Dies war eine Gratwanderung, denn es ging nicht um Rechtsberatung, sondern darum, einen moderierten Erfahrungsaustausch zwischen neuen und erfahrenen Ausbilderinnen und Ausbildern zu ermöglichen. Die Seminare fanden in fünf unterschiedlichen Orten statt, um regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Eine der größten Herausforderungen für uns war, dass wir nie wussten, welche Fragen die Teilnehmenden mitbringen würden. 

Der Wissensstand unterschied sich stark – je nach Branche, Unternehmensgröße oder Vorerfahrung. Unternehmen mit langjähriger Ausbildungspraxis waren rechtlich meist gut aufgestellt, stellten aber dafür sehr spezifische und komplexe Fragen, die wir gemeinsam diskutierten. In allen Seminaren wurde betont, dass es sich um einen Austausch handelt und lediglich auf bestehende Regelungen verwiesen werden kann. Erster Ansprechpartner für allgemeine Fragen zur Ausbildung ist immer der Ausbildungsberater der zuständigen Stelle. Dieser kann dann auch einschätzten, ob zusätzlich juristische Expertise – z.B. durch eine Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt – erforderlich ist. 

Der Workshop war so gestaltet, dass die Teilnehmenden bei der Anmeldung und spätestens in der Vorstellungsrunde ihre Fragen einbringen konnten. Wir begannen immer mit einem Input zu aktuellen Gesetzesänderungen etwa zum Berufsbildungsmodernisierungsgesetz bzw. des Berufsbildungsvalidierungs- und Digitalisierungsgesetz, die beide Auswirkungen auf das aktuelle Berufsbildungsgesetz haben. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden vielen Ausbilderinnen und Ausbildern bewusst, wie sinnvoll regelmäßige Updates sind.

In Anschluss wurde entlang des Ausbildungsprozesses – von Ausbildungsbeginn bis zum -ende – unterschiedliche Facetten und Problemstellungen besprochen. Schwerpunkte lagen unter anderem auf der Umsetzung der Teilzeitausbildung, der Freistellung (für Prüfungen, vor Prüfungen und für die Berufsschule), der Verkürzung und Verlängerung der Ausbildungszeiten sowie auf Fragen zur Probezeit und Vertragsgestaltung. In einigen Gruppen wurde auch das Thema Abmahnung und die Auflösung von Ausbildungsverhältnissen angesprochen – verbunden mit dem klaren Hinweis, bei konkreten Fällen immer rechtlichen Beistand hinzuzuziehen.

Intensiv diskutiert wurde außerdem die Frage der Aufsichtspflicht, insbesondere wenn Ausbildungswerkstätten außerhalb des Unternehmens liegen und Ausbilder zeitweise abwesend sind – z. B. wegen Besprechungen, Dienstreisen oder krankheitsbedingter Ausfälle. Zwar gibt es dazu klare Vorgaben, doch bleibt im Einzelfall oft die Frage: Wer haftet, wenn etwas passiert? Die Diskussion zeigte eine große Vielfalt an Ansichten, und es wurde deutlich, dass jeder Fall individuell bewertet werden muss.

Zusammenfassend war es den Teilnehmenden wichtig, Situationen realistisch einschätzen zu können und bei Bedarf – zusätzlich zu den zuständigen Stellen – rechtlichen Rat einzuholen. Positiv war: Die meisten Szenarien waren eher hypothetischer Natur. In den meisten Betrieben verlaufen Ausbildungsverhältnisse planmäßig. Wo Anpassungen notwendig werden, lassen sich diese mit guter Kommunikation meist konstruktiv lösen, sodass es nicht zum großen Konflikt kommen muss.

Schön, dass es in den meisten Fällen nur „fiktiv“ war. In den meisten Betrieben und bei den meisten Ausbildungsverträgen läuft die Ausbildung wie geplant. Manchmal muss etwas nachjustiert werden, doch mit einer guten Kommunikationskultur muss es in der Regel nicht bis zum großen Streit kommen. (F. Rivera Campos)