Pen and Paper gehört zu den beliebtesten Rollenspielformaten der Welt. Wie in einem Videospiel besitzt man einen fiktionalen Charakter, welchen man durch eine fiktionale Welt manövriert um Abenteuer zu erleben und Aufgaben zu absolvieren. Es beflügelt die Fantasie der Spieler und stärkt das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Nun stellt sich die Frage, ob es möglich ist, Elemente des Pen and Papers mithilfe von Gamification in eine Ausbildung einzubauen.
Zu allererst sollten wir klären, was man unter „Gamification“ versteht. Kurz gefasst handelt es sich hierbei um ein Konzept, welches spieletypische Elemente wie Level, (Erfahrungs-)Punkte oder auch Quests (so werden meist einzelne Aufgaben in Videospielen genannt) in spielfremde Kontexte einfließen lässt, wie zum Beispiel in einem Büro. Einen ähnlichen Ansatz besitz auch das sogenannte „Serious Play“ welches unser Team in Form von LEGO® bereits selbst austesten durfte. Wer sich dafür interessiert, kann gerne nochmal in einen unserer älteren Newsletterartikel nachlesen: FRC Futur meets LEGO® SERIOUS PLAY®
Ein Möglicher Ansatz Pen and Paper als eine Form der Gamification in die Ausbildung einzubauen, könnte wie folgt aussehen:
Der Auszubildende erhält beim Start der Ausbildung einen leeren Charakterbogen auf Level 1. Diesen Charakterbogen muss er innerhalb festgelegter Regeln mit Fähigkeiten ausstatten, welche der Azubi beherrscht. Es könnten Attribute wie Mathematik, räumliches Denken, körperliche Stärke, usw. darin eingetragen werden. Dieser Prozess dient zur Selbsteinschätzung des Neulings und zeigt auch auf, welche Stärken er mit in das Unternehmen bringt.
Zudem sollte auch ein Level-System genutzt werden, sprich, jedes Mal, wenn der Azubi etwas Bestimmtes tut, erhält dieser Erfahrungspunkte, um im Level aufzusteigen. Wenn eine Aufgabe innerhalb des Unternehmens erfolgreich abgeschlossen wurde, erhält er Erfahrungspunkte entsprechend der Aufgabe. Es muss jedoch nicht beim Unternehmen aufhören. Der Azubi könnte auch Erfahrungspunkte erhalten, wenn dieser in der Berufsschule gute Leistungen erzielt.
Wenn der Azubi eine gewisse Anzahl an Erfahrungspunkten angesammelt hat, steigt er ein Level auf. Dadurch erhält er die Möglichkeit, bestehende Fähigkeiten zu verbessern oder neue Fähigkeiten zu erhalten – am besten Fähigkeiten, welche auch zur Ausbildung passen. Zusätzlich, könnte man im Unternehmen ein Meilenstein-System einführen. Wenn ein Auszubildender ein bestimmtes Level erreicht hat, kann er beispielsweise ein Projekt leiten. Dadurch wird die Motivation gesteigert, entsprechende Leistungen zu erbringen, da eine Belohnung am Ende der Anstrengung wartet. (Hier gilt natürlich zu beachten, dass eine intrinsische Motivation immer stärker wirkt, als eine extrinsische.)
Am Ende der Ausbildung wird dann mit dem Charakterbogen, welchen man über die Zeit stetig verbessert hat, eine Runde Pen and Paper gespielt. Innerhalb dieser Runde kann der Azubi beweisen, wie er in bestimmten Situationen mit seinem Wissen und Können umgeht. Wenn das Abenteuer erfolgreich abgeschlossen wurde, könnte eine weitere Belohnung am Ende warten. Ab einem bestimmten Level könnte beispielsweise die Wahrscheinlichkeit gesteigert werden im Unternehmen eingestellt zu werden (keine feste Garantie).
Zum einen kann man erkennen, dass Motivation in dieser Herangehensweise eine große Rolle spielt. Durch die richtige Motivation können Azubis bessere Leistungen erzielen. Zum anderen kann diese Herangehensweise zur Selbstreflexion genutzt werden. Auf einen Blick kann der Azubi erkennen, was dieser während seiner Ausbildung geleistet hat oder aber auch, wo er sich verbessern muss.
Diese Art der Selbstreflexion kann auch negative Faktoren mit sich bringen. Wenn jemand beispielsweise keine gute Leistung erbringt, wird dies ebenfalls im Charakterbogen widergespiegelt. Im Falle von mehreren Azubis im Unternehmen könnte auch ein ungesunder Neid entstehen, da sichtbar wird, wer „besser“ als andere ist.
Zudem ist zu bedenken, dass diese Art der Gamification nicht automatisch für jedes Unternehmen und jede Ausbildungsrealität umsatzbar ist, denn die Planung der entsprechenden Vorgehensweise liegt bei den mit der Ausbildung beauftragten Personen. Wenn diese nicht selbst motiviert bei der Sache sind, zeigt sich dies auch bei der Umsetzung.
Zu guter Letzt wäre auch die Bereitschafft der Auszubildenden selbst, bei einem solchen Projekt teilzunehmen, ein zu beachtender Aspekt.
Zusammengefasst kann man behaupten, dass diese Art der Gamification möglich wäre. Im Idealfall übertreffen die positiven Aspekte die Nachteile, jedoch ist dies nur ein Wunschdenken. Von meiner Seite aus, würde Pen and Paper eine Ausbildung interessanter gestalten – was aber auch daran liegt, dass ich mich in meiner Freizeit mit Pen and Paper beschäftige. Aus objektiver Sicht würde nach einiger Zeit die Motivation, ein solches Projekt dauerhaft am Leben zu halten, wohl eher vergehen, da die viele Unternehmen und/oder Azubis wenig Interesse an einer spielerischen Ausbildung haben könnten.
(C. Metin)